IKUTANI SAN

In Japan war die Sonne einmal nicht mehr zu sehen, weil sich die Göttin des Sonnenlichtes in der Höhle versteckt hatte. Sie hieß AMATERASU, hatte einen Bruder und eine Schwester. Ihre Eltern waren die Schöpfer für Materialien und mehrere Götter der Erde. Nachdem der Vater seine Kindern gebar, übergab er seine Herrschaft an die Kinder. Der Bruder SUSANOO war ein problematisches Kind, er tat nicht, dass was sein Vater ihm sagte. Er randalierte im Land der Schwester “AMATERASU” und enttäuschte sie tief. Sie versteckte sich in der Höhle, dann verschwand das Licht und es wurde ewige Nacht. Eine Göttin AMANOUZUME, tanzte vor der Höhle wie besessen und verrückt, brach alle Götter zum Lachen. AMATERASU verstand nicht, warum alle ohne Licht so freudig sein könnten. Sie kam aus der Höhle, um das Geschehen zu sehen. In der Welt strahlte das Sonnenlicht wieder. Der Tanz heißt “KAGURA”. Ichi Go inszeniert das KAGURA als “Comtemporary Dance”.

1. Akt - Susanoo
Stichwörter/ Leiden/ Druck/ Einsamkeit und Verlassenheit/ Trauer/ Schuld/ Anerkennung/ Sturm / tief schwarzes Meer / Wirbel/ Brutalität / Hoffnungslosigkeit SUSANOO und seine Einsamkeit werden durch Ichi Go mit ihrer eigenen persönlichen Erfahrung reflektiert. Der Gott hat seinen Kot in die heiligen Paläste verstreut, die Haut eines Pferdes abgezogen und auf seine Schwester AMATERASU geworfen. Grund dieser kindischen Tat war die Sehnsucht nach seiner Mutter IZANAMI, unter der der liebeshungrige Gott litt. Er wurde aus dem Himmel verwiesen und wurde dann in der Welt der Menschen zum Helden. Ichi Go ging aus Japan in die Fremde, sie wurde dann erst als Tänzerin erkannt und fand ihre Identität. Die Situation ist sehr nachvollziehbar. Ichi Go zerfleischt und verspritzt rohen Fisch, ein Symbol für den Tod, um die Wut von SUSANAOO darzustellen. Obwohl SUSANOO ein Gott ist, spürt er Leiden, Druck, Einsamkeit und Verlassenheit wie die Menschen. So kommt es zum Wutausbruch. Trauer, der Wunsch nach Anerkennung, Jammer und Verrücktheit, Vollmond, tief schwarzes Meer, Wirbel, Brutalität, Hoffnungslosigkeit, es besteht keine Aussicht auf Rettung. Die Musik, eine Interpretation der 7.Symphonie von Beethoven, stellt den traurigen inneren Zustand von Susanoo dar. Schon hier spürt das westliche Publikum die Diskrepanz zwischen klassischem Inhalt und moderner Low Fi Form.*
2. Akt - Amaterasu
Stichwörter/ Gerade Linien / Ausstrahlung / Eingebung / Gelassenheit / Trauer / Neumond / weiß und Silber. Die Schwester von SUSANOO, Amaterasu, ist die Göttin des Sonnenlichtes und von ihrem Bruder tief enttäuscht. Sie ist höchste Göttin, aber sie ist auch Verfolgte. Sie hat bis zum Ende ihrer Bruder unterstützt, aber es gelang ihr nicht und so hat sie sich zur Selbstbestrafung in einer Höhle versteckt. Sie ist enttäuscht von sich und zieht sich innerlich zurück. Die Verletzung von AMATERASU wird mit Tanz und Projektion dargestellt. Die Darstellerin läuft langsam in Zäune, die projiziert werden, und innerlich wird sie immer eingesperrter. Dazu werden direkt auf ihren Körper projizierte Striche projiziert. Dies drückt die Trauer und innere Verletzung aus. Nach dem Wutausbruch ihres Bruders, versteckt sich die Große Schwester, Göttin der Sonne, in einer Höhle, und lässt die Menschen im Stich und die Welt versinkt in Dunkelheit. Die Musik beschreibt hier die Traurigkeit der Göttin sowie die der Menschen, immer dunkler, immer einsamer und isolierter. Die kalte, fragile Melodie verschwindet, Schritt für Schritt, es bleibt nur das weißes Rauschen der Noise Generator, ein leblos Brummen.
3. Akt - Amanouzume
Stichwörter Befreiung/Kurve/Verführung und Faszination/ Humor und Lachen/ Bunt/ Besessenheit/ Orange Rot/ Tagesanbruch/ affirmativ/ Wende der Denkweise / S-Kurve Beim Beginn des dritten Aktes werden noch einmal gezeichnete Bilder auf der Leinwand gezeigt. Diese sind in einer Ebene und Schwarz auf Weiß gezeichnet, die Bilder werden von oben nach unten, von rechts nach links langsam geschoben. Zwar soll diese Szene der Weltuntergang sein, aber durch die Comic artige Zeichnungen hebt sich die Szene auf die humorvolle Ebene. Währenddessen hört man kitschige Schreie aus Spielzeugpuppen und von den Musikern, was ebenfalls diese traurige Szene auf die humorvolle Ebene bringt. AMANOUZUME, eine andere Göttin, leitet den Wendepunkt ein. Sie besitzt die faszinierende Gabe, schwierige Situationen ins Humorvolle zu wenden. AMANOUZUME kippte einen Eimer um und stieg darauf. Sie tanzte auf dem Eimer und trat den Eimer, läutete. Nach meiner Interpretation tanzt sie sich selbst opfernd und wild, um alle Götter zu faszinieren. Allerdings übersteigt sie niemals die höchste Göttin AMATERASU. Ihre Aufgabe war, wie ein Mond, das Sonnenlicht zu reflektieren. Als ob sie selbst das Sonnenlicht wäre, dass vom Mond reflektiert wird. Die Götter sind voller Melancholie, sehen sie doch das reflektierte, nicht jedoch das wahre Sonnenlicht. AMANOUZUME ist besessen von der Göttin des Sonnenlichtes, tanzt das Licht aus sich heraus, tanzt sich leer, ein Akt verführerischer Schönheit. Dieser KAGURA-Tanz beinhaltet Besessenheit, aber auch Toleranz, Freude und Schwung. Aber AMANOUZUME´s Tanz beinhaltet noch mehr Elemente zum Tanzen: sie hat mit Schwung die ernste Krise vertrieben, alles umwickelt und alle Energie konzentriert. Dafür braucht man unheimlich viel Energie, Geschicklichkeit, Persönlichkeit und Empathie. Die Besessenheit von Gott setzt viel Verantwortlichkeit für den eigenen Körper voraus. Besessenheit muss unter Kontrolle gebracht werden. KAGURA-Tanz gelingt daher nur, wenn man den eigenen Körper als ein umgrenztes Gefäß versteht, welches Energie empfangen und weiterleiten kann. Wenn man in der Geschichte zurückblickt, hat der KAGURA-Tanz keine bestimmtes Form. Zwar gibt es einige Regeln, zum Beispiel Klang oder Drehungen. Aber nur durch die Imitation dieser Formen kann man keine KAGURA tanzen. Früher glaubte man in Japan daran, dass Klang eine Funktion zur Reinigung hat. Klang besaß also Energie. Ich will diese Kraft des Shamanismus und Animismus, die vor der Begründung von Shinto (japanische Religion) bestand, wiederfinden. Deswegen will ich nicht den traditionellen Formen verfolgen, sondern den grundsätzlichen Sinn und die Wurzel suchen. Ich fordere es mit meinem eigenen Körper heraus. In dieser finalen Szene treffen sich viele verschiedene Musikrichtungen, Instrumente, Einflüsse. Die erste Schicht der Lieder kommt von buddhistische Gesang Shomyo: die Mönche wiederholen zusammen monotonische Gebete. Der Tonausschnitt „Amaterasu“ ist so wie einen fünf Sylben Mantra. Auf diese 5/4 Muster stapeln sich die Schichten des Liedes: Klangausschnitte von berühmten Zeichentrickfilm Characteren, Rufe von der Menschenmenge bei japanischen Festivals, zufällige kosmische Synthetizer… Während unserer *work in progress* Sessions haben wir auch viele Musiker eingeladen für diesen Teil, um die ursprüngliche Umgebung nachzuempfinden so dass Ichi Go den Geist von AMANOUZUME tief und echt fühlen kann.

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